Als ich in Großbritannien gelebt habe, lief gerade die Kampagne zur Frage, ob das Land die EU verlassen soll. Eine hochkomplexe Frage, heruntergebrochen auf Ja oder Nein. Sie hat das Land, Familien und Freundeskreise zerrissen, und Großbritannien leidet bis heute unter den Folgen.
Man kann zu Recht darüber streiten, ob so komplexe Fragen per Plebiszit entschieden werden sollten.
Der Moosburger Stadtrat dagegen hält offenbar schon die Frage, in welcher Farbe das Rathaus künftig erstrahlen soll, für zu komplex, um die Bürger:innen zu fragen. Die Zeit dafür wäre da gewesen. Beide mit dem Denkmalschutz abgestimmten Varianten lagen auf dem Tisch: so wie bisher oder grau mit roten Akzenten. Eine digitale Umfrage hätte am nächsten Morgen stehen können, und zwei Wochen lang hätten die Menschen, die das Rathaus jeden Tag sehen, ihre Meinung sagen können. Aber nein.
„Wir sind ja dafür gewählt“, plustern sich manche auf. Und klar: Stadträt:innen sind, wie alle Politiker:innen, als Puffer gedacht. Sie können und sollen sich mehr Zeit nehmen, sich in Themen einzuarbeiten, und viele Themen im Stadtrat brauchen tatsächlich Recherche und Gespräche.
Aber die Farbe des Rathauses? Das ist reines Bauchgefühl. Entsprechend knapp fiel die Entscheidung aus: 12 zu 11. Genauso gut hätte man würfeln können.
Oder, noch besser: die Menschen in Moosburg fragen.